T-Nut Planfräs-Vorrichtung für die Oberfräse – günstige Alternative zu einer Abrichte?

Falls Du nicht gerade eine voll ausgestattete Profiwerkstatt Zuhause besitzt, standest Du mit Sicherheit bei einigen Projekten schon vor dem Problem etwas abrichten zu wollen, ohne eine Abrichte oder einen Dickenhobel zu besitzen. Mir ging es genauso! Da diese Maschinen im Normalfall sehr teuer sind, kam eine Anschaffung für mich nicht in Frage. Im folgenden Blogbeitrag werde ich Dir eine kostengünstige Vorrichtung vorstellen, die für Dich vielleicht auch eine Alternative darstellt!

Nachfolgend habe ich Dir alle Werkzeuge und Materialien verlinkt, die ich benutzt habe.

Konstruktionszeichnungen mit detaillierten Maßen findest du weiter unten.

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Das heutige Projekt: Planfräs-Vorrichtung für Werkbänke mit eingelassenen T-Nut-Schienen.

Benötigtes Werkzeug

Benötigtes Material

Konstruktionszeichnungen

Schienen

Als erstes baust Du die Schienen. Diese kannst Du später je nach Bedarf in die T-Nut-Schienen deiner Werkbank (zum Werkbank Projekt) spannen. Basis der Konstruktion sind die Dachlatten. Meine Maße sind nur ein Vorschlag. Die Länge der Schienen solltest Du auf Deine Werkbank anpassen.

Was muss ich vorher beachten?

Du solltest Dir Gedanken darüber machen, welche Werkstücke Du in etwa abrichten willst und vor allem wie hoch diese sind. Dementsprechend kann es nötig sein, dass Du mehr Dachlatten aufeinander stapeln musst und längere Schrauben nutzen musst als ich. Aber Achtung: Die Konstruktion kann wenn sie deutlich höher gebaut wird auch mehr Spiel aufweisen als bei 3 Dachlatten – also nicht übertreiben

Dachlatten bekommst du im Baumarkt relativ günstig. Ich habe noch alte Dachlatten benutzt, die ich rumliegen hatte. Sieht zwar weniger schick aus – erfüllt aber trotzdem seinen Zweck.

Zunächst bohrst Du gemäß der Konstruktionszeichnung 3 Löcher mit einem 10er Holzbohrer in die Dachlatten. Verteil die Löcher gleichmäßig – eines in die Mitte der Dachlatte und jeweils eines an die Enden der Latte. Mehr als drei Löcher wären bei der Länge übertrieben – es sei denn Du willst Deine Konstruktion höher bauen. Dann wäre mehr Stabilität sinnvoll. Bei 3 Löchern bzw. Schrauben funktioniert das einführen in die T-Nut schnell und ohne verkanten.

Löcher für die M8 Schrauben in die Dachlatten bohren.

Die Löcher habe ich mit Absicht mit einem 10er Holzbohrer* gebohrt. Darin hat die M8 Schraube noch etwas Spiel. Die Schienen gleiten somit später leichter in eine T-Nut. Nach festspannen der Vorrichtung über die Flügelmuttern sitzt die Schiene dann fest.

M8 Schraube in der Dachlattenkonstruktion.

Das ganze machst Du für alle 6 Dachlatten.

Auf der jeweils obersten Dachlatte verschraubst Du dann noch die 2m L-Profilschiene mithilfe der 3,5×20 Holzschrauben* und jeweils einer Unterlegscheibe*. Falls Du eine Lochschiene mit größeren Löchern nutzt, kann es sein, dass Du andere Unterlegscheiben benutzen musst. Als L-Profilschiene eignet sich vieles. Ich habe auf Steckregal-Stützen aus dem Baumarkt zurückgegriffen. Oben in der Material-Liste habe ich Dir eine massivere Alternative auf Amazon verlinkt. Die haben zwar kein vorgestanztes Lochprofil – massivere Aluminiumprofile schaden aber mit Sicherheit nicht!

Fixieren der Profilschiene auf der Dachlatte.

Danach kannst Du die Dachlatten aufeinander stapeln und mit den M8 Schrauben* und M8 Flügelmuttern* fixieren. Schienen fertig!

Warum die Dachlatten nicht zusätzlich miteinander verleimen oder verschrauben?

Prinzipiell kannst Du die Dachlatten natürlich auch untereinander verleimen oder verschrauben. Aber die drei M8 Schrauben mit den Flügelmuttern reichen eigentlich aus. Vorteil daran ist, dass Du dann auch mal eine Dachlatte wegnehmen kannst wenn Du ein relativ Flaches Werkstück planfräsen willst. Ist aber eigentlich gar nicht notwendig – notfalls kann man das Werkstück auch mit Hölzern unterfüttern und mit einem Niederhalter fixieren damit es näher an den Fräser wandert. Die Entscheidung ist also Dir überlassen.

Laufleisten

Die Laufleisten aus Holz dienen dazu den Schlitten über die Schienen zu führen und werden am Boden des Schlittens befestigt. Die Länge der Laufleisten musst Du auf Deine Oberfräse bzw. auf die Aufnahmeplatte abstimmen. Die Fräse soll hierbei nicht verkanten. Minimales Spiel ist also nicht schlimm. Wir bauen schließlich keine CNC-Fräse sondern eine Abricht-Vorrichtung.

Kompletter Schlitten. Die Laufleisten aus Eichenholz führen den Schlitten über die 2m Profilschienen.

Als Holz habe ich für die Laufleisten gehobelte Eichenleisten* benutzt und diese zunächst auf die entsprechende Dicke von 1cm gesägt. Ihr könnt sie auch mit einem Elektrohobel* Stück für Stück herunter hobeln. Oder ihr nehmt einfach ein Stück Restholz, das gerade passt. Die Laufleiste sollte allerdings nicht zu dick sein, da ihr sonst zu viel Frästiefe verliert. Orientiere Dich für das Konzept am besten an den Konstruktionszeichnungen.

Die Nut in der Leiste sägt ihr am besten mit der Handkreissäge* (falls ihr eine Tischkreissäge habt, umso besser) in die Holzleiste. Falls Du es auch mit einer Handkreissäge machst, nutze ein Stück Holz als Parallelanschlag damit Du die Säge gerade über die Eichenleiste führen kannst. Zum Schluss bohrst Du mit einem 4er Holzbohrer* an die Enden der Laufleiste noch jeweils 2 Löcher. Hierüber verbindest Du später die Laufleiste mit dem Schlitten.

Laufleiste fertig montiert. Schön zu erkennen: Die Führungsnut für die 2m Profilschiene.

Schlitten

Damit die Konstruktion langsam Gestalt annimmt, müssen wir nun die Laufleiste mit den 400mm L-Profilen für den Schlitten verschrauben. Hierfür die M4x20 Schrauben* und M4 Muttern* verwenden. Falls nötig, kannst Du die Schrauben noch mit einer Metallsäge* kürzen.

Warum nur 400mm breit?

Ich will mit der Vorrichtung größtenteils Holzbalken abrichten. dafür ist die Breite ausreichend. Passe die Breite des Schlittens auf Deine Einsatzzwecke an! Die T-Nut Schienen habe ich absichtlich in diesem Abstand in die Werkbank eingesetzt damit ich vor der Vorrichtung noch Platz zur Werkzeugablage habe und diese nicht direkt unter Sägespänen vom planfräsen begraben werden.

Die Löcher im L-Profil bohrst Du mit dem 4er Metallbohrer* im gleichen Abstand wie bei den Laufleisten. Ankörnen nicht vergessen, sonst rutscht der Bohrer ab! Ein Körner* ist online schon günstig zu kaufen. Danach verschraubst Du die Profile und die Laufleisten mit den M4 Schrauben und M4 Muttern. Ggf. kürze die Schrauben noch mit einer Metallsäge, dass diese nicht zu weit unter der Konstruktion heraus schauen.

Der fertige Schlitten auf der Schiene.

Aufnahmeplatte

Das letzte Teil, das Du benötigst, ist die Aufnahmeplatte für Deine Oberfräse. Ob Du dafür eine Kunststoffplatte oder eine Holzplatte nimmst ist egal. Ich hatte noch eine 1cm dicke Kunststoffplatte und habe daher diese genommen. Der Kunststoff gleitet auch gut über den Aluminium-Schlitten.

Die Löcher in der Konstruktionszeichnung der Aufnahmeplatte sind nur ein Beispiel. Die Anordnung der Löcher musst Du auf Deinen Oberfräsenkorb anpassen. Ich habe hierfür die Gleitplatte meiner Makita Oberfräse* auf die Platte gelegt und einfach die Löcher markiert und gebohrt.

Gleitplatte der Oberfräse als Bohrschablone nutzen.

Danach kannst Du noch mit dem 30mm Forstnerbohrer* das Loch für den Fräser in die Platte bohren.

30mm Loch für Fräser bohren.

Die Aufnahmeplatte fixierst Du dann mit passenden Schrauben auf der Platte. Welche Schrauben hierbei passen, kommt auf Deine Oberfräse an. Einfach mal schauen und nehmen, was gerade passt. Sind im Normalfall alles Standard-Normteile.

Die Planfräs-Vorrichtung in Aktion beim abrichten eines 300 Jahre alten Fachwerkbalkens.

Das war’s – ich hoffe das Projekt hat Dir gefallen!

Servus und bis zum nächsten Projekt auf TimberTime!

4 Antworten auf „T-Nut Planfräs-Vorrichtung für die Oberfräse – günstige Alternative zu einer Abrichte?“

  1. Schaut gut aus, der Dachboden auch!

    Biegen sich die Aluprofile nicht durch, wenn du in der Mitte mit der Oberfräse bist?

    Andere Konstruktionen nehmen oft Multiplexlatten hochkant zum stabilisieren.

    1. Servus Johannes,

      Danke für das Lob! Die Aluprofile biegen sich überhaupt nicht durch. Sie sind relativ dick und die Oberfräse wiegt ja nicht viel. Auch bei einer größeren Spannweite der Konstruktion hätte ich keine Bedenken. Die Profile sind ziemlich robust. Würde das ganze nochmal so bauen. Einzig die Eichenleisten des Laufschlittens werde ich auf Dauer beobachten. Könnte sein, dass sich dort auf Dauer Laufrillen von den länglichen Schienen bilden. Aber bis das passiert, muss ich noch einige Betriebsstunden damit arbeiten glaube ich.

  2. Hallo Florian,
    Super Idee und tolles Projekt.
    Wenn tatsächlich die Hartholzführungen einlaufen sollten, kannst Du ja noch 2 mm tiefer fräsen und dann von einer 3 mm Aluleiste ein Stück absägen und in die Nut einlassen. Mit etwas Fett gleitet das dann im wahrsten Sinne des Wortes wie geschmiert. 😉
    Gruß
    Lothar

    1. Hallo Lothar,

      Klasse Idee! Danke für den Tipp! Bisher sehen die Führungsleisten noch gut aus. Vielleicht probiere ich deine Idee bei Gelegenheit trotzdem einfach mal aus.

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