Wenn Holz Arbeitet – Tipps für das Verleimen von Massivholz

Du hast Dich schon mal an Massivholz ran gewagt, Dein Werkstück oder Deine Tischplatte hat sich aber verzogen, gewölbt oder gewellt? Dann ging es Dir wie mir! Hier erfährst Du nun, auf was es ankommt und wie du den Effekt zukünftig vermeiden kannst.

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Dieses mal veröffentliche ich kein Projekt sondern endlich wieder einen Beitrag im Bereich Methoden & Techniken. Da ich selbst sehr gerne mit Massivholz arbeite, habe ich leider schon selbst die Erfahrung machen müssen, dass sich Tischplatten oder Korpusplatten, aus Massivholz schnell mal verwerfen, wölben bzw. “schüsseln” können. Gerade wenn man – wie in einigen meiner Projekte – Kanthölzer aus Massivholz aneinander leimt, gibt es einige Punkte zu beachten. Um die Möglichkeit, dass sich das zusammengeleimte Holz wölbt, wellt oder verzieht, so gering wie möglich zu halten, erfährst du im folgenden wissenswerte Tipps. Dieser Beitrag wird fortlaufend erweitert werden. Bitte bedenke, dass ich kein gelernter Tischler bin.

Massivholz verleimen – was muss ich beachten?

Beim zusammenleimen von Massivholz-Kanthölzern oder -Brettern sollte man einerseits auf die Anordnung der Jahresringe achten. Das kann dem arbeiten des Holzes entgegenwirken.

Da Holz arbeitet, wölbt sich eine verleimte Platte wenn der Holzkern immer auf der gleichen Seite ist.

Verleimst du alle Kanthölzer oder Bretter so, dass der Kern des Holzes auf der gleichen Seite ist, wird die Seite, die gegenüber der Holzkerne liegt (durch Luftfeuchtigkeitsveränderungen etc.) kürzer – es entsteht eine Wölbung. Die Holzplatte “schüsselt” sich also.

Wechselt man diese Anordnung ab, entstehen sehr wahrscheinlich Wellen in der Holzplatte. Der Effekt ist weniger drastisch, aber dennoch störend.

Eine Optimale Anordnung wäre die im folgenden Bild. Splintholz and Splintholz und Holzkern an Holzkern im Wechsel. Außerdem sollte eine linke und rechte Seite des Holzes ebenfalls im Wechsel angeordnet werden. Dies minimiert die Gefahr, dass sich das zusammengeleimte Holz später verzieht.

Bei Verleimung von Splint an Splint und Holzkern an Holzkern wird die Gefahr einer Wölbung minimiert.
rechts______________links_______________rechts_____________links

Noch besser als die obere Abbildung ist eine Anordnung von Hölzern, die ausschließlich stehende Jahresringe vorweisen. Der Unterschied wird in der folgenden Abbildung klar. Dadurch, dass es sich ausschließlich um stehende, fast horizontal angeordnete “Lamellen” im Holz handelt, ist die Wahrscheinlichkeit einer Wölbung noch geringer. Doch auch hierbei sollte darauf geachtet werden, die rechten und linken Seiten des Holzes abzuwechseln.

Beste Alternative wenn Holz arbeitet, ist lediglich stehende Jahresringe zu verleimen.
rechts______________links_______________rechts_____________links

Das bedeutet, dass man bereits beim Holzkauf darauf achten muss, möglichst “optimale” Hölzer zu kaufen.


Lektion Nr. 1 – Augen auf beim Holzkauf!


Ich beziehe mein Holz vom Online-Händler und habe keine Möglichkeit auf die Anordnung der Jahresringe zu achten. Was kann man tun?

Gerade wenn es um größere Platten geht, etwa für Esstische, Couchtische oder ähnliches, empfiehlt sich die Verwendung von Gratleisten. Diese wirken dem arbeitenden Holz entgegen und halten die Holzplatte gerade. Bei Gratleisten handelt es sich um eine Methode, um dem verwinden des Holzes entgegenzuwirken. In dem folgenden Modell ist eine Tischplatte aus einzelnen Kanthölzern zu sehen. Quer zu den Kanthölzern wird in einer Gratnut eine Metall- oder Holzleiste eingesetzt, die die Holzplatte dann in der gewünschten Form hält.

Hierbei sollte die Gratnut mit einem entsprechenden Zinkenfräser* mit Hilfe einer Oberfräse in das Werkstück eingearbeitet werden. Moderne Gratleisten* aus Metall können dann problemlos eingesetzt und verschraubt werden. Traditionelle Gratleisten aus Holz müssen dagegen mühsam passgenau Stück für Stück in die Gratnut geklopft werden. Die Verwendung von modernen Gratleisten ist aber auch eine finanzielle Frage. Ich würde Dir raten, es je nach Projekt zu entscheiden. Du solltest Dir allerdings immer die Frage stellen, ob du damit leben kannst, wenn sich das Holz nach Fertigstellung des Projektes verzieht.


Lektion 2 – Um auf Nummer Sicher zu gehen, Gratleisten einsetzen!


Was gibt es sonst noch zu beachten?

Was Du auf keinen Fall machen solltest, ist Dein fertiges Werkstück bzw. Deine fertige Tischplatte nur von einer Seite zu ölen! Wenn Du die Unterseite nicht behandelst, weil sie sowieso nicht gesehen wird, kann auch das dazu führen, dass sich die Tischplatte wölbt. Gerade bei Leinölfirnis kann sich das Holz nach dem ölen stark zusammenziehen. Behandelst Du also nur eine Seite, wird sich dein Werkstück wohl oder übel ebenfalls wölben.


Lektion 3 – Niemals einseitig ölen!


Ich hoffe ich konnte Dir den ein oder anderen Hilfreichen Tipp geben!

Servus und bis zum nächsten mal!

11 Antworten auf „Wenn Holz Arbeitet – Tipps für das Verleimen von Massivholz“

  1. Ich arbeite auch sehr gerne mit Massivholz. Ich habe bei meinem Tischler nach Tipps zum Bezug qualitativ guter Hölzer bekommen. Wie Sie bereits sagen, kann man auch online dazu fündig werden. Vielen Dank für Ihren Beitrag zum Verleimen.

  2. Interessant, dass man auf die Anordnung der Jahresringe achten sollte, wenn man holz leimt. Ich werde in Zukunft versuchen darauf Rücksicht zu nehmen wenn ich an der Kantenanleimmaschine meines Onkels arbeite. Ich denke auch, dass so die schönere Optik entsteht.

  3. Hallo, mich interessiert ab welcher Bohlenbreite ich leimen sollte. Ich habe ca. 40-50 cm breite und 50mm dicke Esche Bohlen und würde daraus gern Bänke bauen. Wenn meine Sitzfläche nur 40 cm breit ist, muss ich dann zwingend die Bohlen auftrennen und wieder verleimen oder kann ich diese auch im Ganzen verbauen?
    Vielen Dank im Voraus für Eure Hilfe!

    1. Hallo André,

      Bloß nicht das gute, teure Holz auftrennen. Wenn du so tolle Esche Bohlen hast, verbau sie als ganzes. Einzelne Holzleisten miteinander zu einer größeren Fläche verleimen macht man in der Regel aus Kostengründen. Für breitere Bohlen muss man deutlich mehr zahlen als für mehrere, schmalere Leisten. Daher lass die Bohle am besten wie sie ist und säge sie nur so auf Maß, wie du deine Sitzfläche haben möchtest. Das Auftrennen und nachträgliche wieder zusammenleimen von sehr breiten Holzbohlen wird manchmal bei Tischplatten gemacht, um Verwindungen vorzubeugen soweit ich weiß. Aber bei einer Sitzfläche für eine Bank würde ich die Bohle so lassen wie sie ist.

      Gruß
      Florian

  4. Hallo,
    ich bearbeite gerade eine Eichenbohle, ca. 135×100 cm und 6 cm dick, zu einem Küchentisch. Bis auf das ölen und Tischkufen montieren bin ich fertig. Die Platte hat sich während der Bearbeitung längsseitig verzogen. Gibt es eine Möglichkeit die Wölbung rückgängig zu machen?
    Für einen Tipp wäre ich sehr dankbar.
    Gruß Helmut

    1. Hallo Helmut,
      erstmal Glückwunsch zu der tollen Eichenbohle – hört sich nach einem tollen Stück an! Der Verzug kann schon durch Änderungen der Umgebungstemperatur und -feuchtigkeit entstanden sein. Ist die Bohle denn sicher komplett abgelagert und hat keine zu hohe Restfeuchte mehr? Das würde ich als erstes sicherstellen. Wenn das Holz noch zu feucht ist, können beim Trocknungsprozess Verwindungen entstehen. Nehmen wir mal an die Restfeuchte der Bohle passt. Was mir spontan in den Sinn kommt: Bohle mit der Oberfräse und einer Vorrichtung zum Planfräsen (Link zum Projekt) abrichten. Oder aber du lässt die Bohle in einer Schreinerei durch eine große Stationäre Breitbandschleifmaschine oder einen Dickenhobel mit entsprechender Breite. Du wirst gezwungenermaßen etwas an Dicke bei deiner Bohle verlieren. Wichtig ist, dass du nach der Bearbeitung Gratleisten in der Bohle verbaust, um zukünftig Verzug zu vermeiden. Eine Bohle in diesen Dimensionen wird immer arbeiten und in den seltensten Fällen komplett plan bleiben. Und beim ölen unbedingt dran denken, die Bohle von beiden Seiten zu behandeln, sonst steht der nächste Verzug bevor. Ich hoffe du bekommst die Bohle gerichtet und wünsche dir viel Freude an dem Küchentisch!
      Gruß Florian

  5. Hallo ich hätte eine Frage bezüglich eines Holztisches.
    Mir wurde letzte Woche von einer Tischlerei ein Nusstisch mit den Maßen 220×110 cm geliefert. Die Tischlatte ist mittig auf einen Edelstahlfuss montiert.
    Bei genauerer Betrachtung ist mir aufgefallen dass die Tischplatte nicht eben ist und an den Stirnseiten schüsselt.
    Der Höhenunterschied zwischen Tischmitte und den Vier Seiten beträgt zwischen 5-7mm.
    Laut der Tischlerei sei das normal da Holz arbeitet. Stimmt das? Gibt es hierfür irgendwelche Richtwerte?
    Vielen Dank für die Hilfe!

    1. Hallo Gregor,
      generell schwindet und quillt Holz abhängig von der Holzfeuchte und abhängig von der Anordnung der Jahresringe. Falles es eine massive Tischplatte aus einem bzw. wenigen Bohlen ist, schwindet beispielsweise der Kernholzbereich (also die Jahresringe in der Mitte) in einem anderen Ausmaß als das Splintholz bzw. die weiter außen liegenden Jahresringe. Diese Differenzen führen dann zu einem “schüsseln”. Es gibt hierfür soweit ich weiß sogar Formeln zum berechnen dieses Schwind- und Quellverhaltens. Der Tischler wird mit Sicherheit trockenes Holz mit möglichst geringer Restfeuchte für den Tisch genutzt haben. Trotzdem kann Holz immer noch schwinden. Das ganze kann sich schon bei einer anderen Umgebung (andere Raumtemperatur und -feuchte) bemerkbar machen. Je größer so ein Massivholztisch ist, desto mehr muss man mit schwindendem Holz rechnen. Vor allem wenn es ein Tisch ist, der aus einer einzigen oder nur zwei großen Bohlen besteht. Dass das Material arbeitet lässt sich leider nicht vermeiden – die Auswirkungen lassen sich nur verringern, indem man beispielsweise Gratleisten verbaut. Ob das bei deinem Tisch der Fall ist weiß ich nicht – das könntest du mal prüfen. Schau einfach mal auf die Unterseite des Tischs, ob du Gratleisten findest. Es muss übrigens nicht sein, dass dein Tisch nun auf ewig so verbleibt.

      Gruß Florian

      1. Hallo Florian, vielen Dank für Deine tolle Antwort.
        Gratleisten wurden keine verbaut allerdings besteht der Tisch aus 11 Bohlen auf eine Breite von 110cm und Länge von 220cm. Ich habe mich absichtlich für mehrere Bohlen entschieden damit es zu keinen Rissen kommt. Das mit dem Schüsseln war mir neu. Es ist eine massive Nussholzplatte mit Schweizer Kante und einem mittigen Edelstahlfuss.
        Schöne Grüße und nochmals vielen Dank,

        Gregor

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